Erbe

Seit das LiebeKind bei uns ist, weiß ich wie schwer ein Erbe wiegen kann.

Das Erbe wird in der Regel von den Eltern, Verwandten oder Vorfahren an die Kinder weitervererbt.

DUDEN: Bedeutungsübersicht – http://www.duden.de/rechtschreibung/Erbe

  1. Vermögen, das jemand bei seinem Tod hinterlässt und das in den Besitz einer gesetzlich dazu berechtigten Person oder Institution übergeht
  2. etwas auf die Gegenwart Überkommenes; nicht materielles [geistiges, kulturelles] Vermächtnis

Das Erbe ist also das Vermögen, das einem hinterlassen werden kann. Schön, wenn es so ist.

Leider gibt es da noch ein anderes Erbe, das viel schwerer wiegt.

Das nichtmaterielle Vermächtnis, das auf die Gegenwart überkommt. Meine Eltern sind beide noch am Leben und doch haben sie ihren Kindern schon einiges vererbt. Dieses Erbe war mir immer bewusst.

Seit das LiebeKind bei uns ist, ist es so deutlich wie nie.

Das Erbe, das wir von unseren Eltern mit bekommen, wiegt schwer.

Meine Eltern gehörten zu den Nachkriegskindern, sie wuchsen in der Zeit nach dem Krieg auf. Sie waren zu dieser Zeit noch sehr klein, aber ist nicht das die sensibelste Zeit? Die Zeit, wenn ein kleines Wesen gerade auf die Welt kommt, neu, nackt, hilflos. Sicher, es war keine leichte Zeit für ihre Eltern, aber es war auch keine leichte Zeit für sie. Es gab damals andere „Sitten“, es gab andere gesellschaftliche Regeln, an die man sich zu halten hatte.

Ich denke sie haben versucht ihr Bestes zu geben, so wie ich das auch tue … aber in vielen kleinen Situationen mit unserem LiebeKind erinnere ich mich an ähnliche Situationen aus unserer Kindheit und oft ist da dieses Gefühl: „So möchte ich das nicht für das LiebeKind.“

Ich würde jedem sagen, der mich danach fragt, dass ich eine schöne Kindheit hatte. Wir haben so viel Zeit draußen in der Natur verbracht, wir haben viel mit anderen Kindern auf der „Gass“ gespielt. Wir haben als Familie Urlaube und Ausflüge gemacht. Weihnachten, Ostern und Geburtstage habe ich in schöner Erinnerung – vermutlich habe ich sie mir auch etwas verschönt, mit jedem Jahr Erinnerung etwas mehr. Ich hatte viele schöne Momente.

Das, was unsere Eltern Erziehung nannten gehörte nicht dazu. Es gab so viele Situationen, die durch strickte Regeln, die vermutlich nie hinterfragt wurden, geprägt waren.

Ich kann nicht mal sicher sagen, wie weit es uns geschadet hat oder nicht – „Hat uns früher auch nicht geschadet, wir sind alle groß geworden …“

Mein inneres Gefühl, meine innere Stimme sagt mir, so möchte ich das nicht für das LiebeKind.

Ich habe nichts gegen Regeln, die das Zusammenleben erleichtern, Routinen, einen gleichmäßigen Tagesablauf, Ordnung in der Wohnung, den Schutz unseres LiebenKindes … aber nicht auf die Art und Weise, wie wir „erzogen“ wurden.

Regeln und Routinen sollten immer wieder hinterfragt werden, passen sie noch zur Situation? Passen sie noch zu uns? Ich bin zwar für mein LiebesKind verantwortlich und werde Entscheidungen für das LiebeKind treffen, aber ich möchte versuchen, dass das LiebeKind dabei im Mittelpunkt steht, seine Meinung äußern kann und wir versuchen eine gemeinsame Lösung zu finden. Bei unseren Eltern wurden die Kinder meist nicht gefragt, die Eltern entschieden.

Mir ist bewusst, dass ich durch meine eigene Kindheit geprägt wurde und vermutlich immer wieder in Situationen kommen werde, in denen ich automatisch mit einem alten, erlernten Muster reagieren werde.

Ich versuche möglichst viele Momente mit dem LiebenKind bewusst zu erleben, zu erspüren – was ist das Richtige für das LiebeKind, für mich und unsere Familie?

Ich versuche dieses schwere Erbe, das ich immer mit mir tragen werde, immer bewusst mit mir zu tragen. Mir immer darüber klar zu sein, welchen Einfluss es auf mich haben kann und im entgegenzuwirken, wenn es gerade fehl am Platz ist.

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2 Gedanken zu “Erbe

  1. Katharina schreibt:

    Schön geschrieben. Nur mit dem „im Mittelpunkt stehen“ des Kindes bin ich nicht einverstanden. Ich glaube nicht, dass wir unseren Kindern etwas Gutes tun, wenn wir sie wie das Goldene Kalb in die Mitte stellen und um sie herum tanzen. Vielmehr liebe ich das Bild, wie die Familie gemeinsam tanzt und wo das Kind einer von drei Tänzern ist, die zusammen eine gemeinsame Choreographie tanzen, bei der jeder von ihnen gleich wichtig ist.

    Gefällt 1 Person

  2. liebeskindblog schreibt:

    Vielen Dank für den HInweis und das schöne Bild! Ich habe mich nicht ganz klar ausgedrückt, ich meinte Entscheidungen, bei denen es um das LiebeKind geht und habe da aber mehreres zusammen geworfen. Das Bild mit dem Tanz ist wirklich sehr schön … darf ich das aufgreifen? Vielleicht für einen späteren Beitrag?

    Gefällt mir

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