Verändern

„Das ist nur eine Phase!“ ist wohl einer der häufigsten Sätze, mit denen sich Eltern von einer Entwicklungsstufe zur nächsten ihres Kindes retten. Ich muss gestehen, dass ich einen ähnlichen Satz auch ab und zu als Entschuldigung für ein unruhiges LiebesKind nehme: „Er wächst gerade“.

Womit habe ich eigentlich ein Problem? Das mein Kind gerade “unbequem“ ist, das es nicht macht, was ich möchte? Das der Alltag nicht einfach  oder einfach nicht funktioniert?

Es gibt Zeiten, die sind anstrengend, aber alles funktioniert und dann gibt es „die Phasen“ – in denen plötzlich gar nichts mehr passt. Als unser LiebesKind sehr klein war, merkte ich es an häufigerem Schreien und unruhigem Trinken. Heute wird das LiebeKind erst unmerklich unruhiger. Die Veränderung beim Essen ist geblieben. Unser LiebesKind mag dann plötzlich seine Banane nicht mehr – zuvor das „Notfall-Essen“, wenn gar nichts schmeckte: Banane ging immer! Ich merke es aber immer noch nicht wirklich und freue mich, dass unser LiebesKind so gerne in den Arm genommen werden möchte. Langsam überkommt mich doch ein seltsames Gefühl, ich kann es immer noch nicht richtig greifen. Dann kann ich plötzlich andere Veränderungen sehen: Unser LiebesKind kann plötzlich wieder etwas, was vorher noch nicht da war, ich freue mich mit ihm! Es kommt plötzlich schneller, höher, weiter voran und erreicht Dinge, die zuvor „sicher“ waren – und plötzlich wird es für mich anstrengend – unser LiebesKind soll zwar unterstützt, aber auch geschützt werden. Bei jeder Veränderung zeigt mir unser Kind, wo unsere Wohnung noch nicht kindersicher ist und wird dadurch öfter in seinem Taten- und Lebensdrang gebremst. Wie kann ich am besten damit umgehen? Ich muss flexibler werden, ich muss mich auf ganz neue Situationen einstellen! Oje! – Ich muss mich verändern!

ändern – Duden: http://www.duden.de/suchen/dudenonline/ändern

    1. [durch Hinzufügen oder Streichen, durch Veränderung von Details] abändern, modifizieren
    2. wechseln, durch etwas anderes ersetzen, umformen, wandeln
  1. anders werden, sich verändern

Ich wundere mich, dass es doch immer wieder Phasen in meinem Leben gibt, in denen die Illusion entsteht, alles würde alles so bleiben, wie es gerade ist, nichts würde sich mehr ändern. Vielleicht liegt es daran, dass ich gerade selbst an irgendetwas gearbeitet habe, selbst eine „Entwicklungsstufe“ erreicht habe und mich gerne darauf ausruhen würde.

Das ist nicht das Leben – Leben ist verändern immer und immer wieder. Wir merken es nur nicht mehr so stark wie unser LiebesKind. Wenn ich verändern schon nicht einfach finde, wie schwierig muss es für ein kleines Wesen sein, welches „gerade erst“ auf unsere Welt kam, für das alles noch ganz neu ist? Für unser LiebesKind sind die Veränderungen so deutlich, fast beängstigend spürbar, dass es mehr Halt, mehr Zuwendung und mehr Aufmerksamkeit benötigt um die nächste Stufe, die nächste „Phase“ zu erreichen.

Wäre es nicht schön, wenn ich diese „Phasen“ als weniger anstrengend empfinden könnte, mehr genießen könnte und nächstes Mal voller Stolz sagen könnte: „Er wächst gerade, das sind so wichtige Veränderungen, ich freue mich mit ihm!“

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