Zwischen den Polen

Die Welt hat zwei Pole, den Nordpol oben, den Südpol unten, dazwischen leben wir.

Seit unser LiebesKind auf die Welt kam, habe ich den Eindruck die Pole verstärkt zu spüren. Nicht den Nord- und den Südpol, nein, die verschiedenen Pole wie positiv und negativ, gut und schlecht, links und rechts, plus und minus, weiß und schwarz, Liebe und Angst. Vielleicht hängt es noch mit der besonderen Empfindsamkeit nach der Geburt zusammen, aber ich bin mir da nicht so sicher, ob es nur daran liegt. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich nur das Beste für das LiebeKind möchte! Es richtig machen möchte …

Schon im ganz kleinen Kreis, in unserem zuhause bewege ich mich zwischen den Polen: Nehme ich mir Zeit für mein Kind oder für mich? Verbringe ich meine Zeit mit dem LiebeKind oder der Hausarbeit? Muss mein Kind immer sauber sein, oder darf es sich auch mal schmutzig machen? Wünsche ich mir, dass mein Kind immer lächelt oder kann ich es auch ertragen, wenn es ihm gerade nicht gut geht? (das wäre eigentlich ein eigener Beitrag für sich) Soll das Kind später in den Kindergarten oder möglichst lange zuhause bleiben? Bleibe ich möglichst lange zuhause oder gehe ich möglichst bald wieder arbeiten?

Auf der Suche nach Antworten, egal ob im Gespräch, in Ratgebern, in Büchern, in Internetforen treffe ich dann auf einen größeren Kreis von Polen: Erziehe ich mein LiebesKind oder lasse ich es sich „unerzogen“ entwickeln? Wende ich gewaltfreie Kommunikation an oder gehe ich nach dem Vorbild meiner Eltern? Wickeln wir mit Stoffwindeln oder gekauften Windeln? Wickeln wir überhaupt oder versuchen wir es Windelfrei? Stillen oder Flasche? Familien- oder Kinderbett? Breifrei oder Brei? Brei selber kochen oder Gläschen kaufen? – gute oder schlechte Mutter?

So viele verschiedenen Möglichkeiten, Richtungen, Sichtweisen nach denen ich mit meinem LiebenKind leben, meinem Kind etwas beibringen, mit einem Kind zusammen aufwachsen kann.

Einige Sichtweisen können wir nicht leben, weil andere Gründe (Versorgung, Verdienst) vorrangig sind, sich so zu entscheiden. Einige Sichtweisen passen irgendwie nicht so richtig zu uns oder lassen sich schwer in unseren Alltag integrieren.

Bei allen Polen, bei denen ich die freie Wahl habe, tue ich mir etwas schwer nur diese eine Möglichkeit zu sehen. Auch wenn diese Möglichkeit noch so sinnvoll, liebevoll, als die Beste von allen erscheint. Ich weiß, ich bin ein Mensch, menschlich und ich kann mich zwar für einen Pol entscheiden, aber der andere existiert trotzdem und wird mich immer wieder beeinflussen. Ich möchte mein Bestes geben und doch möchte ich auch meinem Kind mit auf den Weg geben, es gibt beide Pole, beide existieren gleichzeitig.

Und mit beiden Polen kann man leben, gut leben. Vielleicht schwingen wir ab und zu zwischen den Polen, nähern uns dem einen, schwingen wieder zurück, nähern uns dem anderen. Je nach dem wie es sich gerade umsetzen lässt.

Solange ich noch fühle, dass wir noch schwingen und nicht an einem der beiden Pole festhängen habe ich das Vertrauen, das mein Kind lernt, damit umzugehen. Ich denke sogar das Festhängen an dem positiven Pol ist auf Dauer nicht gesund, das ist nicht real, das ist einseitig – eine schöne Idealvorstellung: Ich bin eine gute, vielleicht sogar eine perfekte Mutter! Ich habe das perfekte Kind und führe das perfekte Leben! – nur auf der positiven, guten, richtigen Seite!?

Das Leben hat nicht nur eine Seite, es hat nicht nur zwei Seiten, es hat so viele bunte Seiten um sich nur um einen Pol zu drehen.

Die Welt hat zwei Pole, den Nordpol oben, den Südpol unten, dazwischen leben wir.

 

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