Leben lernen

Meinem LiebenKind würde ich gerne alles mit auf den Weg geben, was es für sein Leben braucht. Das es auf jede Situation vorbereitet ist und das Richtige tun kann, das es möglichst wenig Probleme und Ängste hat, das es seine Träume erfüllen kann und es gut durch das Leben kommt. Ich würde mein Kind gerne alles lehren, was ich über das Leben weiß, welche Gefahren es birgt, welches Glück es bringen kann.

Dann aber, wenn ich nicht gerade mit dem Alltag oder dem Haushalt oder irgendetwas ganz anderem beschäftigt bin, sehe ich es plötzlich! Dann kann ich es ganz deutlich wahrnehmen: Es ist ganz anders, als ich dachte! – denn von meinem LiebenKind kann ich das Leben lernen*

Ist es nicht so, dass die Kinder von Ihren Eltern lernen? Alles erst lernen müssen, was für das Leben notwendig ist? Was kann ich denn von meinem Kind lernen?

Das Leben in jedem einzelnen Moment

die Offenheit und Neugierde, die Voreingenommenheit gegenüber allem und anderen

das bewusste Erleben jedes einzelnen Momentes

die Freude über die kleine Dinge, die Freude über das eigene Können

die Welt und sich selbst immer wieder neu zu entdecken

das Sehen, das Hören, das Riechen, das Schmecken, das Fühlen

 

Eine Beispielgeschichte aus der Zen-Tradition:

Ein Zen-Mönch trifft auf einen Wanderer und sie unterhalten sich eine Weile miteinander. Der Wanderer meint dann: Ich habe gehört, Achtsamkeit sei eine Erleuchtungslehre. Worin besteht denn nun diese Methode? Was ist das Besondere daran, wie sieht denn die tägliche Praxis aus?

Der Mönch antwortet:“Wir sehen, wir hören, wir riechen, wir schmecken, wir fühlen. Wir gehen, wir waschen uns, wir setzen uns zur Meditation nieder.“

Der Wanderer antwortet:“Was soll denn daran Besonderes sein? Jeder, den ich kenne hört, riecht, schmeckt, sieht und fühlt. Ein jeder geht, ein jeder wäscht sich und nun gut, nicht jeder setzt sich zur Meditation nieder.“

Der Zen-Möncherwidert darauf hin:“Mein Herr, wenn wir sehen, dann achten wir auf das Sehen, wenn wir hören achten wir auf das Hören, wenn wir riechen achten wir auf den Geruch, wenn wir schmecken, achten wir auf den Geschmack, wenn wir fühlen, achten wir auf das Gefühl, wenn wir uns waschen, dann wind wir mit dem Waschen beschäftigt, wenn wir uns zur Meditation hinsetzen, dann bleiben wir bei der Meditation.“

Der Wanderer meint: “Das machen wir doch alles auch.“

„Nein“, sagt da der Mönch, „wenn Ihr seht, dann hört Ihr schon, wenn Ihr riecht, dann schmeckt Ihr schon, wenn Ihr fühlt, dann wascht Ihr schon, wenn Ihr Euch zum Meditieren hinsetzt, dann seid Ihr in Gedanken schon wieder aufgestanden.“

 

Und in meiner kleinen Erleuchtung – heraus gerissen aus dem Alltag oder dem Haushalt oder irgendetwas ganz anderem – stelle ich fest, das wir beide, das LiebeKind und ich einfach nur sind. Und plötzlich verschwindet meine Hektik, mein Ärger, mein „das muss ich alles noch erledigen“ und

ich kann einfach sein – mit meinem LiebenKind und dem Moment – einfach Leben*

Advertisements

Ein Gedanke zu “Leben lernen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s