Liebes Kind

„Ist das aber ein liebes Kind!“- „Ach, ist der aber lieb!“ – „Ist der immer so lieb?“

Im ersten Moment fasse ich es als Kompliment auf und freue mich darüber. Wir haben ein Liebes Kind! Ist es nicht das, was alle gerne hätten? Ein LiebesKind? Wir haben also alles richtig gemacht!

Im nächsten Moment kommen mir leichte Zweifel – was ist eigentlich gemeint mit einem LiebenKind? Ist es leise? Still? Angepasst? Freundlich? Fröhlich? Höflich geht mit einem Jahr wohl doch etwas weit … Was genau ist denn gemeint, mit einem LiebenKind? Und ist das überhaupt das, was ich will? Für mein Kind will? Mein Kind will? Haben wir etwas falsch gemacht?

Kann man das je sagen? Was man richtig und falsch gemacht hat? Was ist der Richtwert? Ob unser Kind gut bei anderen ankommt? Sicher ist das auch ein Stück weit wichtig für sein späteres Leben, das es mit anderen klar kommt, aus kommt, zurecht kommt.

Vielleicht ist es gar nicht unser Verdienst? Vielleicht haben wir einfach ein LiebesKind? (Das im Alltag auch mal gar nicht so „lieb“ ist – wenn das bedeutet, es tut was ich gerade möchte)

Haben wir überhaupt einen Einfluss? Außer es zu lieben? Das LiebeKind? Lieben in dem wir es respektieren, wie es ist; es versorgen; ihm eine Raum bieten, in dem es sich entwickeln kann; es auch mal „nicht lieb“ sein lassen.

Die Liebe beschäftigt mich immer wieder – da sie nicht festes und klares ist. Auch wenn sie für jeden etwas Klares zu sein scheint. Liebe für das LiebeKind ist für mich eine Balance zwischen mir und meinem Kind, zwischen seinen Bedürfnissen und meinen Bedürfnissen, seinen Wünschen und meinen Wünschen, seiner Entwicklung und meiner Entwicklung. Ist die Balance zu lange unausgeglichen, kommt entweder das LiebeKind zu kurz oder ich, was sich auch wieder auf mein Kind auswirkt. Mit jeder neuen Entwicklungsstufe von meinem LiebenKind oder mir, müssen wir wieder eine neue Balance finden.

Dieser Balanceakt wird leider zusätzlich von außen aus dem Gleichgewicht gebracht. Manchmal sind es nur ganz banale Äußerungen, die mich dazu bringen über unsere Balance nachzudenken: „So ein Liebes Kind!“

 

 

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