Wo ist die Liebe?

LiebesKind, wo ist die Liebe?

Wo ist die Liebe, an einem düsteren, schweren Novembertag, an dem es gar nicht richtig hell werden will?

Wo ist die Liebe, wenn mal alles schief läuft, irgendwie alles runterfällt, nichts funktioniert, alles schwer fällt?

Wo ist die Liebe, wenn die ToDo-Liste immer länger wird, sich die Wäsche und das Geschirr stapelt und nichts voran geht? Immer nur noch Neues dazu kommt …

Wo ist die Liebe, wenn ich nach einem langen Arbeitstag, viel zu spät, müde, mit schweren Beinen und schmerzendem Kopf nach Hause komme?

LiebesKind, wo ist die Liebe, wenn ich Dich gar nicht verstehe? Du ganz unzufrieden bist, weil Du mir nicht klar machen kannst, was Du gerade brauchst? Wenn ich Dich gar nicht verstehe, weil meine Gedanken irgendwo ganz anders sind …

Es gibt Tage, das fühlt es sich ein wenig an, als hätte sie sich versteckt …

oder hat sie uns verlassen?

 

Nein,

sie blitzt auf*

in kleinen Wohltu- und Wohlfühl-Ideen, wie gemeinsam die Enten füttern zu gehen, oder gemeinsam warmen Kakao zu trinken oder auf dem Sofa kuschelnd Bilderbücher anzusehen.

Sie strahlt*

plötzlich aus dem lachenden Kindergesicht. Sie leuchtet, hell und klar*

Sie glitzert* und strahlt*

in der Kerze, die in der selbst gebastelten Sankt-Martins-Laterne auf dem Tisch brennt und hinter den Kisten für Weihnachtsdekoration. Im Familien-Adventskalender der fast schon gefüllt ist. In der Vorfreude auf bessere Tage

Sie funkelt*

beim gemeinsamen Plätzchen backen – auch wenn wieder einiges daneben geht 🙂

Sie strahlt*

in einem friedlichen Kindergesicht, das nach einem langen anstrengenden Tag selig eingeschlafen ist

 

LiebesKind, wo ist die Liebe?

 

Sie ist immer bei uns, wir vergessen sie nur manchmal.

Wir müssen uns nur an sie erinnern und schon ist sie da

mitten unter uns,

einfach so

in allen Farben,

blitzt, strahlt und funkelt sie,

 sie leuchtet so hell sie kann!

 

Das Leben ist die Liebe, ist das Leben, ist die Liebe, ist das Leben, ist die Liebe, ist das Leben, ist die Liebe, ist das Leben, ist die Liebe, ist das Leben, ist die Liebe, ist das Leben,

 ist die Liebe*

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zornig

Heute Abend hatte ich den Eindruck unser LiebesKind ist wegen allem zornig. Es wollte mit Wasser spielen, als wir das Wasser abdrehten quitschte es. Ich beschloss mit dem LiebenKind zu duschen, dann könne es noch etwas mit Wasser spielen und nötig wäre es auch mal wieder 🙂

Es ging solange gut, solange das LiebeKind den Duschkopf halten durfte, sein Wasserrad übergießen und den Wasserstrahl befühlen durfte. Als ich das Wasser abdrehte, weinte das LiebeKind und zeigte deutlich, wie zornig es darüber war. Beim Föhnen wollte es selbst föhnen. Schrie und schimpfte als wir fertig mit föhnen und abtrocknen waren und es den Föhn zurück lassen sollte. Es lies sich kaum beruhigen.

Mein Gedanke war: So zornig habe ich es schon lange nicht mehr erlebt … ich überlegte: Kann es an neuen Zähnen liegen, die schmerzend durchbrechen? Sind wir vielleicht gerade bei einem Wachstumsschub, der dem LiebenKind zu schaffen macht? Was könnte es noch sein?

Da wir noch etwas Zeit vorm Schlafen hatten, nahm ich es noch mit ins Wohnzimmer um zu sehen, was es gerne spielen würde. Das LiebeKind wollte mir gar nicht von der Seite weichen. Ich überlegte wieder: Woran könnte das liegen?

Ich beschloss mit dem LiebenKind ein paar Lieblingsbilderbücher anzusehen. Und da kuschelte es sich zufrieden an mich. Wir nahmen die Bücher mit nach oben und schauten uns im Bett noch ein paar Bilder an. Das LiebeKind genoss richtig die Nähe. Und dann endlich habe ich verstanden …

… ich war heute den ganzen Tag arbeiten. Das LiebeKind hatte einen für ihn völlig unerwarteten Tagesablauf. Seine Mama war schon nicht mehr da, als es aufwachte. Das Frühstück war anders als sonst. Der Morgen war vermutlich hektischer, als an Tagen, an denen wir mehr Zeit haben. Es hat sicher viele schöne Dinge erlebt, aber der Tag war einfach anders, als Tage die wir zusammen haben …

das LiebeKind war gar nicht nur zornig

es war müde, schmusebedürftig,

brauchte Nähe,

wollte ein wenig Sicherheit,

sich von dem ungewohnten Tag erholen,

ankommen, angenommen werden, gesehen werden,

Sicherheit und Liebe spüren.

Es holte sich am Ende selbst seinen Schlafsack und wirkte fast erleichtert, dass es noch etwas mehr Nähe bekam, bevor es einschlief*

Ich wünschte, ich würde an solchen Tagen, in solchen Situationen nicht als erstes das anstrengende Gefühl sehen – zornig – sondern würde schneller erkennen, dass das LiebeKind einen Grund hat, ein Bedürfnis hat, dass vielleicht ganz leicht und einfach zu stillen ist … und sich für uns beide richtig und gut anfühlt*

Was will ich?

Die Frage hab ich mir schon lange nicht mehr gestellt. Meine Gedanken drehen sich um das LiebeKind, morgens beim Aufstehen, beim Essen, bei der Tagesplanung, beim Schlafengehen … an manchen Tagen drängt sie sich aber immer wieder dazwischen: Was will ich?

Was will ich?

Ich will …

morgens mal wieder ausschlafen,

mich im Bad nur auf mich konzertieren und in aller Ruhe duschen, kämmen, Zähne putzen, dabei meinen Gedanken nachhängen,

bei Frühstück gemütlich mein Brötchen (oder ähnliches) essen und meinen Kaffee trinken,

wenn ich aus dem Haus gehe, nur das mit nehmen, was ich für mich für den Tag brauche,

beim Einkaufen völlig entspannt durch die Läden gehen und
in Ruhe alles aussuchen und bezahlen

einen ganzen Nachmittag mit einem guten Buch auf der Couch verbringen,

im Schwimmbad einfach so ein paar Bahnen schwimmen,

eine Sendung ab 20:15 Uhr am Stück sehen,

einem Termin am Abend, einem Geburtstag oder einem Treffen mit Freunden spontan und einfach so zusagen

für den Urlaub nur für mich packen,

einfach so aufs Klo gehen,

einfach so nebenbei die Spülmaschine einräumen oder das Wohnzimmer saugen,

mal wieder einfach so ein Bild malen und es darf so lange dauern, wie es eben dauert,

ein wenig Zeit ganz für mich alleine*

 

Wenn ich dann so alle Wünsche beisammen habe, fühle ich mich eine wenig erschöpft und enttäuscht, aber es hält nicht lange …

… dann meldet sich ein strahlendes LiebesKind und möchte meine Aufmerksamkeit für irgend etwas – und alle meine Wünsche sind für diesen Moment vergessen*

Denn ich will auch …

für das LiebeKind da sein, wenn es mich braucht,

mit ihm die Tage gestalten, auch wenn das Frühstück oder der Einkauf dann etwas länger dauern und ich nicht immer mal meinen Gedanken nachhängen kann,

dass das LiebeKind in meinen Alltag eingebunden ist, auch wenn das heißt,
dass es mit in die Dusche krabbelt – auch mal mit Kleidung –
mir neugierig beim Zähne putzen zusieht und danach die Zahnbürste befühlen möchte,

dass das LiebeKind versorgt ist und deshalb nehme ich immer viele Dinge mit,
wenn wir aus dem Haus gehen oder in den Urlaub fahren
– auch wenn wir sie mal nicht brauchen,

meine Zeit mit dem LiebeKind verbringen, solange es diese noch mit mir verbringen möchte –  auch wenn das heißt, dass ich mein Buch vielleicht am Abend lese,
wenn ich nicht zu müde bin und dass das Bild erst mal nicht gemalt wird.

Das Bild, die Sendung um 20:15 Uhr und die Bahn im Schwimmbad werden etwas warten müssen – und wenn es sein muss, bis das LiebeKind groß genug ist. Der spontane Abendtreff muss eben vorher geplant werden und die Spülmaschine wird einfach in Etappen aus- und eingeräumt.

Wenn mir etwas wirklich wichtig ist, dann finde ich eine Lösung, einen freien Abend oder ein paar Stunden für mich …

was ich eigentlich im Moment möchte ist

meine Zeit mit dem LiebenKind verbringen*

Leben lernen

Immer noch aktuell 🙂 hilft wenn man sich in Geduld üben möchte, mal die Perspektive zu wechseln und es anders zu sehen

LiebesKind

Meinem LiebenKind würde ich gerne alles mit auf den Weg geben, was es für sein Leben braucht. Das es auf jede Situation vorbereitet ist und das Richtige tun kann, das es möglichst wenig Probleme und Ängste hat, das es seine Träume erfüllen kann und es gut durch das Leben kommt. Ich würde mein Kind gerne alles lehren, was ich über das Leben weiß, welche Gefahren es birgt, welches Glück es bringen kann.

Dann aber, wenn ich nicht gerade mit dem Alltag oder dem Haushalt oder irgendetwas ganz anderem beschäftigt bin, sehe ich es plötzlich! Dann kann ich es ganz deutlich wahrnehmen: Es ist ganz anders, als ich dachte! – denn von meinem LiebenKind kann ich das Leben lernen*

Ist es nicht so, dass die Kinder von Ihren Eltern lernen? Alles erst lernen müssen, was für das Leben notwendig ist? Was kann ich denn von meinem Kind lernen?

Das Leben in…

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Geduld

DUDEN: Bedeutungsübersicht – http://www.duden.de/rechtschreibung/Geduld

Ausdauer im ruhigen, beherrschten, nachsichtigen Ertragen oder Abwarten von etwas

Herkunft

mittelhochdeutsch (ge)dult, … eigentlich = das Dulden, zu = tragen, dulden, verwandt mittelhochdeutsch doln, mit lateinisch tolerare, tolerieren

Es gibt Beiträge, das ist die Idee plötzlich da und sie scheint ganz klar. Ich denke mir einen Verlauf und stelle mir die ersten Sätze vor – meist, wenn ich unser LiebesKind ins Bett bringe – dann setze ich mich an den PC und beginne zu schreiben. Aber irgendwie passen die Sätze nicht mehr oder sie drücken gar nicht aus, was ich eigentlich schreiben möchte. Ich versuche sie umzustellen. Beginne nochmal von vorn, komme nicht weiter, komme nicht dahin, wo ich hin möchte …

… meist speichere ich den neuen Beitrag und schließe ihn. Und dann hilft nur Geduld

Irgendwann öffne ich ihn wieder und weiß plötzlich was noch fehlt oder welche Formulierung besser wäre – und dann läuft es, der Beitrag entsteht und wird so wie ich ihn mir vorgestellt habe.

Wäre es nicht auch im Alltag mit dem LiebenKind manchmal schön, wenn man kurz mal speichern könnte, alles überdenken und nach einer gewissen „Reifungszeit“ wieder öffnen könnte?

Meist ist sofort eine Reaktion gefordert … aber vielleicht wäre etwas Geduld manchmal viel sinnvoller?

Unser LiebesKind hat gerade die Höhe für sich entdeckt. Jeder Stuhl muss erklommen, jeder Tisch empor geklettert werden, es klettert auf das Sofa, auf Bänke, auf den Sessel …

Als ich unser LiebesKind zum ersten Mal auf unserem Esstisch entdeckte, auf den es aus seinem Hochstuhl geklettert ist, bekam ich erst mal einen Schreck. Ich konnte mir in wenigen Sekunden bildlich vorstellen, welche Stürze in Zukunft auf uns zukommen und schnappte das LiebeKind und brachte es zu seinen Spielsachen. Eigentlich hat das LiebeKind auch gar nicht so sehr protestiert. Mir ist aber bei diesem ersten Mal total entgangen wie es mich stolz anlächelte, als wolle es sagen: „Schau mal, was ich geschafft habe! Ich komme jetzt alleine auf den Tisch und bin schon fast so weit wie ihr Großen!“

Leider nehme ich viele Entwicklungen nur aus meiner Sicht, was gefährlich, praktisch, für mich sinnvoll ist, wahr. Dabei vergesse ich manchmal, dass alles neue, was passiert für unser LiebesKind ein wichtiger Entwicklungsschritt ist, und ich mich nur gedulden muss, bis es gelernt hat mit dem neuen Wissen so umzugehen und nicht mehr so viel passieren kann. Ich werde mich mit jeder neuen Erkundungsreise unseres LiebenKindes in Geduld üben müssen, in Ausdauer im ruhigen, beherrschten, nachsichtigen Ertragen oder Abwarten von etwas, im tragen, im dulden, im tolerieren und ertragen,

das das LiebeKind seinen eigenen Weg geht und gehen muss. Es erkundet seine Welt auf seine Weise. Es macht jeden Schritt zur rechten Zeit und ich kann es nur versuchen aufzufangen, wenn es fällt oder es halten und trösten, wenn es gefallen ist.

Und dann habe ich beim nächsten Mal, als das LiebeKind auf den Stuhl geklettert ist, doch das Gespeicherte wieder geöffnet und nochmal drüber gesehen, wie bei einem meiner Beiträge. Ich hatte einem Moment Geduld und konnte sehen, wie stolz das LiebeKind über seine Leistung war, wie es alles in dem neu zu erforschenden Gebiet betrachtet und befühlt hat und als alles erkundet war wieder, wie völlig selbstverständlich, vom Stuhl kletterte ohne zu stürzen oder sich zu verletzen.

Mir ist völlig klar, dass das LiebeKind ab sofort nicht auf jeden Stuhl oder Tisch klettern sollte und dass ich auch nicht immer geduldig sein kann oder werde. Aber vielleicht kann ich mich ja auch immer wieder darin üben:

Geduld, Ausdauer im ruhigen, beherrschten, nachsichtigen Ertragen oder Abwarten von etwas, im tragen, im dulden, im tolerieren und ertragen,

dass das LiebeKind seinen eigenen Weg geht und gehen muss. Es erkundet seine Welt auf seine Weise. Es macht jeden Schritt zur rechten Zeit und ich kann nur versuchen es aufzufangen, wenn es fällt oder es halten und trösten, wenn es gefallen ist.

StilleN

Beim StilleN hilft Stille – bei uns war es zumindest so. Vielleicht lag es daran, dass um uns herum von Anfang an immer viel los war, vielleicht lag es auch daran, dass ich mich wohler gefühlt habe, vielleicht ist es einfach aber auch nur eine schön, besondere Zeit zwischen meinem LiebenKind und mir.

Unsere Stillgeschichte begann nicht so einfach, darüber könnte ich einen weiteren Beitrag schreiben, aber auch als alles gut funktionierte, waren die stillen Stillmomente die schönsten.

Vielleicht steckt es ja auch schon im Wort: Stille n. StilleN kommt vielleicht auch nicht nur von Hunger stillen, Durst stillen. Vielleicht ist das StilleN ein stiller Moment zwischen Mutter und Kind.

Ich habe mir zuvor nicht zu große Gedanken darüber gemacht, wir haben im Geburtsvorbereitungskurs darüber gesprochen und ich hatte ein paar Ratgeber angelesen. Meine Meinung war, StilleN ist etwas ganz natürliches, was bei jeder Mutter und jedem Baby ganz automatisch dazugehört. Ich war auch davon überzeugt, dass man eigentlich jederzeit und überall Stillen könne. Hat es nicht die Natur so eingerichtet, dass ich mein Baby jederzeit und überall sofort stillen kann, wenn es weint und Nahrung und Nähe braucht? Vielleicht kommt das Wort auch von „Das Weinen des Babys stillen?“

Während und nach unserer schwierigen Anfangsgeschichte las ich immer mehr über StilleN. Es tat sich eine völlig neue Welt auf, eine Welt über und um das Stillen, welche ich bisher nicht für möglich gehalten hätte. So viele Meinungen, die auch völlig fern von „Stillen sei natürlich“ sind. Ich las über Frauen, die aus Restaurants und öffentlichen Verkehrsmitteln verwiesen wurden, weil sie ihre Babys stillten. Ich las von Frauen, die dafür kämpfen, dass das Stillen in der Öffentlichkeit genauso akzeptiert wird, wie die nackten Brüste auf dem Werbeplakat. Ich las von entrüsteten Passanten und Kunden, die sich durch eine stillende Frau belästigt fühlten … all das hatte nicht mehr viel mit Stille und Stillen zu tun.

Meine Unsicherheit wuchs … konnte man wirklich jemanden damit „beleidigen“. wenn man den Hunger und Durst des eigenen Kindes stillte? Was für eine seltsame Welt …

Und das seltsame daran war, obwohl ich genau wusste, das es das „Natürlichste auf der Welt“ ist, fühlte ich mich plötzlich unsicher, hatte den Eindruck alle schauen auf mich, … vielleicht suchte ich deshalb eher stille Ort, um zu stillen. Auch das habe ich gelesen, Frauen wurden auf die Toilette verwiesen, um dort ihr Kind zu stillen – wie soll das gehen? Und was für ein Menschenbild?

Ich muss ganz klar sagen, ich hatte in meiner Umgebung nie Probleme. Ich habe oft zuvor gefragt, wenn ich in einem Restaurant oder einem öffentlichen Gebäude war und fast alle Menschen waren sehr offen und haben mir geholfen, sagten es sei gar kein Problem.

Unser LiebesKind hat natürlich auch die Unsicherheit gespürt und unsere stillen Orte waren für uns beide viel angenehmer. Wir haben versteckte Parkbänkchen gefunden, die Autorücksitze mit Sonnenblenden waren sehr angenehm, bei größeren Veranstaltungen die Räume oder Zelte der DRK und

für mich am schönsten der Platz zuhause, meist aufs Sofa gekuschelt.

Die Stille, das Stillen genießen.

Vertrauen

ist ein großes Wort, dachte ich. Vertrauen in mich, in meinen Gegenüber, Vertrauen in das Leben.

Seit das LiebeKind bei uns ist, begegnet es mir täglich.

Es begann schon damit, dass ich darin vertraute, dass bei der Geburt alles gut gehen wird. Man könnte auch meinen, in der Schwangerschaft hat man gute Verdrängungsmechanismen. Nein, die waren es nicht, ich habe immer, wenn mich die Angst davor überkam, darin vertraut, dass alles gut gehen wird. Es war ein Art von Urvertrauen, Geburten gehören zum Leben, sie sind natürlich und die Natur hat es genau richtig eingerichtet.

Nach der Geburt, als mir die große, verantwortungsvolle Aufgabe ein Kind groß zu ziehen, erst richtig bewusst wurde, musste ich in diesem Moment darauf vertrauen, dass auch das gut gehen wird.

Kurz nach der Geburt kam das Vertrauen darin,

dass das LiebeKind genug trinkt, es genug zunimmt, es ungehindert wachsen kann

dass wir vorsichtig genug mit diesem kleinen, zerbrechlichen Wesen umgehen,

dass es sich meldet, wenn ihm etwas fehlt,

dass es isst, wenn es Hunger hat, dass es schläft, wenn es müde ist,

dass es gesund ist, gesund bleibt, dass wir das Richige tun, wenn es krank wird oder ist,

dass es sich richtig entwickelt, das es zur richtigen Zeit die richtigen Dinge lernt,

dass ich erkenne, was es gerade braucht, was ihm fehlt, was ich für es tun kann …

Nach dem ein wenig Zeit mit dem LiebenKind vergangen ist, kommen neue Herausforderungen – wie weit kann ich dem LiebenKind vertrauen, dass es weiß, wie weit es gehen kann? Im wahrsten Sinnes des Wortes … lasse ich es seine ersten Krabbel-, Kletter- und Geh-versuche machen und schaffe ich es mich zurückzuhalten und zu vertrauen oder möchte ich ihm alles abnehmen und es vor Schaden bewahren? Bisher konnte ich dem LiebenKind oft vertrauen, wenn es neue Dinge erkundete, neue Wege gegangen ist. Es versucht jede Treppe hoch zu kommen, es versucht von seinem Sitz auf den Tisch zu klettern, es erkundet unsere Wohnung bis in den letzten Winkel, es erkundet Wege, Wiesen und Steine. Wir hatten bisher immer Glück bis auf ein paar wunde Knie und einer Beule ist noch nicht viel passiert.

Ich glaube auch daran, vertraue darin, dass unser LiebeKind, wenn es Dinge für sich versuchen, ausprobieren, entdecken, erkunden möchte, das auf seine Weise tut und dabei lernt, auf was es achten muss. Natürlich werden wir ihm Dinge erklären und zeigen müssen und es kann nicht alles ungehindert für sich entdecken, was zu gefährlich oder verletzend wäre.

Je größer das LiebeKind wird, umso schwieriger wird es vermutlich immer das richtige Maß an Vertrauen zu haben. Ich hoffe ich kann es mir so gut es geht bewahren.

Su Sann hat für mich ganz wunderbar ausgedrückt, wie ich es mir für mich und das LiebeKind wünsche:

Ich will für meine Kinder ein Hafen sein. Ein Seil was sie mit mir verbindet, sie Sicherheit und Geborgenheit nach einem Sturm bekommen, egal ob sie ein Segelschiff, Motorboot oder Dampfer sind, ich will sie nehmen und lieben wie sie sind, ich will ihnen Gelegenheit geben sich neu zu entdecken/entwickeln, ein neuer Lack oder ein schnellerer Motor. Ich bin gerne da, wenn sie ein Problem am Schiff/Boot haben, ich kann das mit ihnen reparieren. Ich möchte dieser Hafen sein, da ich mich bewusst für meine Kinder entschieden habe und gerne diese Verantwortung übernehme. Wenn ich meine Kinder diese Lebendigkeit ihrer Seelen (er)leben lasse, dann denke ich dass sie in ihrem Leben mit vielen Dingen zurechtkommen können. Immer häufiger fahren sie raus aufs mehr. Immer länger bleiben sie weg, doch ich bin IMMER da. Und irgendwann können sie selbst für andere ein Hafen sein…. so wie ich heute

Vertrauen ist immer noch ein großes Wort. Vertrauen in mich, in meinen Gegenüber, Vertrauen in das Leben.

Vertrauen in das LiebeKind*

Erbe

Seit das LiebeKind bei uns ist, weiß ich wie schwer ein Erbe wiegen kann.

Das Erbe wird in der Regel von den Eltern, Verwandten oder Vorfahren an die Kinder weitervererbt.

DUDEN: Bedeutungsübersicht – http://www.duden.de/rechtschreibung/Erbe

  1. Vermögen, das jemand bei seinem Tod hinterlässt und das in den Besitz einer gesetzlich dazu berechtigten Person oder Institution übergeht
  2. etwas auf die Gegenwart Überkommenes; nicht materielles [geistiges, kulturelles] Vermächtnis

Das Erbe ist also das Vermögen, das einem hinterlassen werden kann. Schön, wenn es so ist.

Leider gibt es da noch ein anderes Erbe, das viel schwerer wiegt.

Das nichtmaterielle Vermächtnis, das auf die Gegenwart überkommt. Meine Eltern sind beide noch am Leben und doch haben sie ihren Kindern schon einiges vererbt. Dieses Erbe war mir immer bewusst.

Seit das LiebeKind bei uns ist, ist es so deutlich wie nie.

Das Erbe, das wir von unseren Eltern mit bekommen, wiegt schwer.

Meine Eltern gehörten zu den Nachkriegskindern, sie wuchsen in der Zeit nach dem Krieg auf. Sie waren zu dieser Zeit noch sehr klein, aber ist nicht das die sensibelste Zeit? Die Zeit, wenn ein kleines Wesen gerade auf die Welt kommt, neu, nackt, hilflos. Sicher, es war keine leichte Zeit für ihre Eltern, aber es war auch keine leichte Zeit für sie. Es gab damals andere „Sitten“, es gab andere gesellschaftliche Regeln, an die man sich zu halten hatte.

Ich denke sie haben versucht ihr Bestes zu geben, so wie ich das auch tue … aber in vielen kleinen Situationen mit unserem LiebeKind erinnere ich mich an ähnliche Situationen aus unserer Kindheit und oft ist da dieses Gefühl: „So möchte ich das nicht für das LiebeKind.“

Ich würde jedem sagen, der mich danach fragt, dass ich eine schöne Kindheit hatte. Wir haben so viel Zeit draußen in der Natur verbracht, wir haben viel mit anderen Kindern auf der „Gass“ gespielt. Wir haben als Familie Urlaube und Ausflüge gemacht. Weihnachten, Ostern und Geburtstage habe ich in schöner Erinnerung – vermutlich habe ich sie mir auch etwas verschönt, mit jedem Jahr Erinnerung etwas mehr. Ich hatte viele schöne Momente.

Das, was unsere Eltern Erziehung nannten gehörte nicht dazu. Es gab so viele Situationen, die durch strickte Regeln, die vermutlich nie hinterfragt wurden, geprägt waren.

Ich kann nicht mal sicher sagen, wie weit es uns geschadet hat oder nicht – „Hat uns früher auch nicht geschadet, wir sind alle groß geworden …“

Mein inneres Gefühl, meine innere Stimme sagt mir, so möchte ich das nicht für das LiebeKind.

Ich habe nichts gegen Regeln, die das Zusammenleben erleichtern, Routinen, einen gleichmäßigen Tagesablauf, Ordnung in der Wohnung, den Schutz unseres LiebenKindes … aber nicht auf die Art und Weise, wie wir „erzogen“ wurden.

Regeln und Routinen sollten immer wieder hinterfragt werden, passen sie noch zur Situation? Passen sie noch zu uns? Ich bin zwar für mein LiebesKind verantwortlich und werde Entscheidungen für das LiebeKind treffen, aber ich möchte versuchen, dass das LiebeKind dabei im Mittelpunkt steht, seine Meinung äußern kann und wir versuchen eine gemeinsame Lösung zu finden. Bei unseren Eltern wurden die Kinder meist nicht gefragt, die Eltern entschieden.

Mir ist bewusst, dass ich durch meine eigene Kindheit geprägt wurde und vermutlich immer wieder in Situationen kommen werde, in denen ich automatisch mit einem alten, erlernten Muster reagieren werde.

Ich versuche möglichst viele Momente mit dem LiebenKind bewusst zu erleben, zu erspüren – was ist das Richtige für das LiebeKind, für mich und unsere Familie?

Ich versuche dieses schwere Erbe, das ich immer mit mir tragen werde, immer bewusst mit mir zu tragen. Mir immer darüber klar zu sein, welchen Einfluss es auf mich haben kann und im entgegenzuwirken, wenn es gerade fehl am Platz ist.

Sicherheit

Mit Sicherheit wird in den nächsten Jahren viel passieren.

Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, gab es da zahlreiche aufgeschlagene Knie, mal ein blauer Fleck oder eine Beule. Im Kindergarten wollte ich in meinem Leben einmal einen Gips und eine Zahnspange. Als mich ein Kind fragte, ob am Arm oder am Bein meinte ich damals noch: „Am besten beides.“ … was man als Kind erleben möchte, ist nicht immer sehr angenehm, wenn es wirklich eintrifft. Ich bin in Glasscherben gefallen und hab ich mir einen Arm gebrochen (1. Gips). Etwas später im Sportunterricht habe ich mir die Bänder am Sprunggelenk gerissen (2. Gips). Die Zahnspange hatte ich auch, in allen Ausführungen.

Wenn ich darüber nachdenke, würde ich das dem LiebenKind am liebsten alles ersparen. Auch wenn es für mich alles zum Leben gehörte.

Wie kann ich mein LiebesKind davor bewahren?

Wir achten auf Sicherheit bei uns zuhause. Wir haben Absperrungen an den Treppe und eine Kindersicherung am Putzschrank. Wir haben eine Broschüre über mögliche Unfallgefahren und unser Herd hat eine Sicherung. Und trotzdem: Wenn dem LiebenKind bisher ein Missgeschick passierte, dann mit Sicherheit immer da, wo wir keine Sicherung angebracht haben.

Kann ich mein LiebesKind den überhaupt schützen? Wie weit? Wie weit ist sinnvoll? Und wovor kann ich es vielleicht gar nicht bewahren?

Darf ich es den Husten- und Schnupfenviren in der Krabbelgruppe aussetzen, oder bleiben wir lieber zuhause? Ich habe mich für die Krabbelgruppe entschieden, da sich das LiebeKind so gerne unter den andern Kindern aufhält, sie beobachtet, mit ihnen spielt. Leider haben wir auch den Schnupfen mit nach Hause genommen.

Vor der ersten Beule konnte ich es auch nicht bewahren, weil es unbedingt ausprobieren wollte, ob es unter dem Stuhl durchkommt.

Wir haben auch immer Sonnencreme in der Wickeltasche dabei, doch das LiebeKind hat sich trotz eincremen beim Familienausflug seinen ersten Sonnenbrand zu gezogen.

Zum Glück hatten wir bisher nur kleinere Blessuren, die mittlerweile alle wieder verheilt und auskuriert sind.

Im Moment kämpft das LiebeKind mit seinen Zähnen, die gerade durch das Zahnfleisch brechen. Ab und zu hat es ein paar Fieberschübe und bei jedem überlege ich, ob ein Fieberzäpfchen schon angebracht ist und seine Beschwerden lindern könnte.

Bisher war bei fast allem, was unserem LiebeKind passierte, gar nicht die richtige Medizin, dass was wirklich half. Meist war das Wichtigste eine ausgiebige Umarmung, das LiebeKind im Arm halten, es trösten, einfach fest halten, seinen Schmerz mit ihm aushalten, für es da sein. Sogar bei den Zähnen ist das die beste Medizin. So findet es auch in den erholsamen Schlaf.

Vor allen Gefahren werde ich das LiebeKind nicht bewahren können, auch wenn wir uns über Sicherheitsgefahren informieren und uns auf bestimmte Situationen vorbereiten. Es kann immer passieren, das wir eine Fehler machen, unaufmerksam sind oder das LiebeKind ganz anders reagiert, als wir dachten. Wenn das LiebeKind etwas größer ist, wird es noch schwieriger, immer alle Gefahren im Blick zu behalten. Oder das LiebeKind im Blick zu behalten. Irgendwann wird es seine ersten eigenen Wege gehen, ohne uns.

Ich hoffe wir haben das LiebeKind bis dahin ausreichend auf mögliche Gefahren hingewiesen und es sensibel für seine Sicherheit gemacht.

 

Ich wünsche mir, meiner Familie, allen Familien und Kindern möglichst viel Sicherheit

ich möchte aber auch in mein LiebesKind und das Leben vertrauen,
dass wir vor größeren Gefahren geschützt sind und bewahrt werden

ich wünsche mir, mein LiebesKind trotzdem möglichst viele Erfahrungen machen zu lassen, auch wenn damit die Gefahr wachsen kann –
aber nur mit Vertrauen und eigenen Erfahrungen kann das LiebeKind wachsen.

Ich hoffe, dass ich meinem LiebenKind immer mit einer Umarmung
über Blessuren hinweg helfen kann.

Glücksmomente*

Dieser Beitrag wird heute noch nicht fertig und morgen auch noch nicht 🙂

Ich möchte hier die Glücksmomente* mit unserem LiebenKind sammeln und sie immer wieder ergänzen, wenn neue dazu kommen.

*  heute bestand das LiebeKind fast eine ganze Stunde nur aus Glück 🙂 wir haben das schöne Wetter genutzt und waren beim Baden. So schön zu sehen, wie er das Wasser, die Natur und die anderen Kinder genossen hat. Einfach plantschen, schauen, fühlen, erkunden, lachen, genießen

*